Der Chef der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube, äußerte sich zu den Demonstrationen rund um Stuttgart 21 mit folgenden Worten:
"Mehrheit" jedoch ist kein Recht in sich. Es geht zwar vordergründig immer um 'Mehrheiten' in Politik und Unternehmensvorständen, diese 'Mehrheiten' aber sind äußerst leicht - durch zB Beeinflussung, Manipulation und Lobbyismus - zu beschaffen. Nicht eine 'Mehrheit' begründet ein Recht, nicht eine 'Mehrheit' entscheidet, was zu tun ist und ob sich niemand dagegen äußern darf.
'Mehrheiten' in diesem Sinne sind immer nur notwendig, je geringer der Konsens ist und je stärker eine geplante Aktion dem Gesunden Menschenverstand widerspricht. Diese 'Mehrheiten' basieren meist auf Minderheiten, die es geschafft haben, ihre wahren Beweggründe zu verschleiern.
Wie soll man sich dieses Verhalten im Unternehmen vorstellen? Ohne eine Kultur der Kritik, der Meinungsäußerung und des Fehlermachens? Was die Mehrheit sagt, ist richtig, weil sie es sagt?
Und alle anderen sollen gehen, damit die Mehrheit auf 100% wachsen kann?
Gegen eine organische Mehrheit aber, im Sinne einer gemeinsamen Vision - die größer ist als jeder Einzelne, der an ihrer Verwirklichung mitwirkt - ist nichts zu sagen. Sie ist sogar anzustreben, im Sinne einer einenden Kultur, eines einenden Gedankengutes, und Wissens um die Realisierung zukünftigen Wohlstandes aller.
Wiederholung
Auch "das Dutzende Male" getan zu haben, berechtigt nicht dazu, 'es' wieder zu tun. Wiederholungstäter sind nicht die besseren Menschen. Nur wenig wird besser dadurch, das man es öfter tut. Und bestimmt legitimiert die Wiederholung nicht die originäre Tat.
Wiederholungen können richtig sein, wenn sie auf Erfahrungen und Lehren aus der Vergangenheit beruhen, wenn sie sich bereits als richtig für den Fortschritt und Wohlstand des Ganzen erwiesen haben.
Dieses 'das war schon immer so', dieses 'es hat uns nie geschadet' ist kontraproduktiv, widersteht dem Fortschritt, dem Wandel, dem Wohlstand.
Das sich selbst wiederholende und reproduzierende Unternehmen ist über kurz oder lang dem Tode geweiht.
Widerstand
Alles Handeln braucht Wandel, Evolution und Entwicklung, nicht Wiederholung. Wiederholung manifestiert. Widerstand jedoch irritiert, regt zum Nachdenken an. Widerstand verunordnet das konservative Denken der Macht, die zuallererst sich selbst erhalten will.
Widerstand ist das notwendige Schlechte Gewissen des Mächtigen - wenn er es denn selbst nicht mehr hat - trotte(l)nd vor sich hin auf den eingefahrenen Wegen seiner Macht.
Widerstand ist die einzige Chance, dem Abgrunde zu entgehen. Widerstand ist die Rettung jedes satten und matten Unternehmens - und nenne es sich Staat.
Fazit
Widerstand ist junges Blut und frisches Denken. Widerstand ist Revolution und Innovation. Widerstand muß gefördert werden - im Kindergarten, der Schule, der Ausbildung und Universität, der Fabrik, dem Büro, im Leben jedes Einzelnen.
Noch leben wir in einem Land, einer Gesellschaft und Wirtschaft, in der wir uns die Definition von Widerstand selbst aussuchen dürfen:
Oder:
"Das Widerstandsrecht ist allgemein ein naturrechtlich bzw. durch ein positives Gesetz statuiertes Recht jedes Menschen, sich unter bestimmten Bedingungen gegen staatliche Gesetze oder Maßnahmen auflehnen zu dürfen bzw. ihnen den Gehorsam zu verweigern."
Welche ist uns lieber? Wir sollten uns entscheiden! Rüdiger Grube sollte sich entscheiden, was ihm wichtiger ist. Das Leadership in Wirtschaft und Politik sollte sich entscheiden, was ihm wichtiger ist - ehe aus unserem Leadership wieder der Führer wird.
Addendum
"CONTRA Stuttgart 21: Ein klarer Rückschritt > "Das Projekt bietet weder bei den Kapazitäten noch bei der Anbindung Vorteile. Die Alternativen sind billiger und leistungsfähiger".
Da könnte ein bißchen Widerstand doch ganz nützlich sein, oder?
Schade, daß er (fast) nur Grubes 'Argumente' wiederholt: "PRO Stuttgart 21: Zukunftsfähigkeit beweisen > "Deutschland braucht das Projekt für seine Verkehrsanbindung. Es geht aber auch um Demokratie und Rechtssicherheit.". Zukunftsfähigkeit ist jedoch etwas anderes als Trotz.



