Vollkommen emotionslos betrachtet, muß - einfach gesagt - jedes Atomkraftwerk in einer Katastrophe enden. Hier die 3 zentralen Gründe:
01 - Die Profite aus der Kernkraft sind zu hoch
Aufgrund der immensen Profite, die sich bekanntermaßen mit Atomkraft machen lassen, lockt die Branche White-Collar-Glücksritter an. Menschen, die für den eigenen Profit über Leichen gehen (wir alle erinnern uns an Enron und deren 'Prüfer'). Dies vor allem, da die Gewinne mit dem Alter einer Anlage steigen(!).
Hierzu gehören nicht nur die Atomstromerzeuger, sondern auch die Produzenten der Atomkraftwerke, wie Siemens vor ein paar Jahren anschaulich beweisen konnte.
Die Branche ist vergleichbar mit der Branche Glücksspiel, der Fifa, dem internationalen Drogenhandel, oder Scientology. Es gibt weltumspannende mafiöse Strukturen, da mit wenig (korruptivem) Aufwand kurz-, mittel- und langfristig monopole Gewinne sprudeln.
Man kann deswegen nicht allen Menschen und Managern der Atomenergie Vorwürfe machen, manche sind einfach nur blauäugig, denn:
02 - Die Gefahren der Kernkraft sind zu abstrakt
Krebsgeschwürartig hat sich die Atombranche in Politik, Wissenschaft und PR breitgemacht, um 'nachzuweisen', daß keine Gefahr drohe, das Restrisiko vernachlässigbar sei.
Kernschmelzen sind in einer technologisch (und ansonsten) ungebildeten verboulevardisierten Gesellschaft leicht herunterzuspielen. Die Presse ist gekauft über Anzeigenraum und Werbezuschüsse. Das nennt sich Imagekampagne.
Es geht nicht um Erdbeben oder Flutkatastrophen, es geht um schlichte Stromausfälle, Kurzschlüsse, fehlende Kabel, fehlende Kontrolle und menschliches Versagen, das zuviele Möglichkeiten hat, seine ganze Gefährlichkeit auszuspielen.
Schleichend haben sich wellblech-bedeckte Zwischenlager überall breitgemacht und erhöhen schleichend die Bewußtseinsschwelle, alles scheint normal.
Dies verleitet natürlich dazu, negative Realitäten zu verneinen bzw. auszublenden, positive Realitäten (Utopien) dagegen überzubewerten.
03 - Die Politik ist zu leicht erpressbar
Da die Gefahren der Kernkraft zu abstrakt sind, fällt es dem Politiker leicht, sein Volk - zumal auf seine eigenen Kosten - hinters Licht zu führen. Der Politiker will nur sein bestes (also sein eigenes), nämlich die Wiederwahl.
Energiesicherheit (und nicht nur Versorgungssicherheit) ist ein solch strategisches Thema, daß der ministeriums-hoppende Politiker keine Chance hat, Verständnis und Einsicht aufzubauen. Aus profilneurotischem Desinteresse verläßt er sich auf die Fachleute und macht den Bock zum Gärtner. Ihm sei verziehen, was anderes hat er nicht gelernt.
Der Politiker ist daher leichtes Opfer der Verlockungen einer Industrie, die ihn längst soweit im Griff hat, daß - selbst wenn er wollte - ein Ausstieg nur über seine Leiche oder Repressalien für seine Familie möglich wäre. Seine politischen Lehrjahre, die beileibe keine Herrenjahre mehr sind, würden sich nicht mehr auszahlen. Ein Vorstandsposten jedenfalls rückte in allerweiteste Ferne. Dies auch ein Grund, warum Herr Mappus sich seinen eigenen Atomenergieerzeuger spendierte.
Wir haben es also mit einem Trio Infernale an Gründen zu tun, warum die Atom-Katastrophe unausweichlich ist.
Ändern kann man dies nur durch eine ehrliche Bewertung der Risiken, durch brutale Transparenz (auch zu Krebsfällen um AKW herum), und die ehrliche Risiko-Nutzen-Abwägung, die heute eher auf einer Wahrung des bequemen Status Quo beruht, denn eines ehrlichen Umganges mit sich selbst.
Ja, das Wort ehrlich taucht hier sehr oft auf. Aus gutem Grund: mit Offenheit und Ehrlichkeit gäbe es gar keine Diskussion mehr. Dann wären die Positionen klar, man könnte die notwendigen Entscheidungen unvoreingenommen und unbeeinflußt treffen. Man hätte Ruhe. So oder so.
Ohne Ehrlichkeit in allen Dimensionen und bei allen Beteiligten wird die Atom-Katastrophe weiterhin wie ein Damokles-Schwert über uns allen schweben. Für immer.
Addendum
14:17 Uhr > Atomkraft, jensscholz.



