Nachdem KT zu Guttenberg zurückgetreten ist und sich langsam die Wogen glätten, kann man mit ein wenig Abstand versuchen, Lehren aus dem Verhalten des ehemaligen Doktors und Verteidigungsministers zu ziehen:
01 - Geschönter Lebenslauf, allgemein
Niemand sollte im Nachhinein seinen Lebenslauf schönen, sondern lieber im Vorhinein diesen ein wenig planen, eine Vision entwickeln, diese realisieren.
Idealerweise erfüllt man nicht die inflationären Wünsche der Leser und Mitbewerber, sondern verwirklicht sich (und niemand anderen), nimmt Herausforderungen an und wächst über sich selbst hinaus.
Genau dies dokumentiert man ehrlich in seinem Lebenslauf. Das nennt sich Authentizität - die Übereinstimmung von Innen und Außen, von CV und Realität. Idealerweise nehmen Lebensläufe die Individualität, Unabhängigkeit und Ungeduld des Gründers auf distinktive Weise vorweg (schließlich ist das Leben mit dem Lebenslauf nicht zuende). Lebensläufe machen neugierig, und stoßen nicht durch Perfektionismus ab.
Was ist in einem CV wirklich zielführend für den weiteren Weg? Wofür würde man stehen, wenn Menschen nur den Lebenslauf sehen, aber nicht den Namen des Eigentümers, der Marke oder Firma? Weniger ist da immer mehr.
02 - Prädikatsexamen, im Besonderen
Man muß nie alles - oder gar damit - angeben, was man bisher erreicht hat. Wen interessiert ein Prädikatsexamen, wenn man eine Doktorarbeit mit Summa cum Laude abgeschlossen hat? Auch: Wen interessiert ein Doktor-, wenn man einen Adelstitel führt?
03 - Doktorarbeit, Summa cum Laude
Entweder man schreibt sie selbst, als Herausforderung über sich hinauszuwachsen (siehe oben), oder man läßt es. Der Dr. ist kein Selbstzweck. (Auch wenn viele anders denken, wie mancher Titel einer Doktorarbeit verrät.)
Die Doktorarbeit ist ein Wachsen an sich selbst, ein Hinausschieben von Grenzen. Katharsis und Läuterung. Ehrfurcht-gebietend und charakter-bildend.
Sie kann die perfekte Begleitung der Gründung eines einzigartigen Produktes oder Services sein, im Zweifel jedoch meist eher Klotz am Beine des alerten Gründers.
04 - Präzise Online-Präsenz
Blender erkennt man früher oder später, ob Doktor oder nicht - egal, wie viel Mühe sie sich geben, diesen Eindruck zu vermeiden. Und meist erkennt man sie genau daran!
Besonders beliebt sind die Founder (ihrer Blogs), die CEOs (ihrer Freiberuflichkeit), die Autoren und Publizisten (ihrer selbstverlegten Bücher). Nie war der Vorwerk-Werbescherz ("Ich leite ein kleines Familienunternehmen") wahrer als zu Zeiten des Webs und der in es hineinströmenden Selbstdarsteller.
Wahre Gründer jedoch untertreiben eher, denn sie wissen, ihr Produkt, ihr Offering spricht sowieso eine deutlichere Sprache als all die salbungsvollen und selbstdarstellerischen Worte. Actions speak auch hier louder than Words!
05 - Kommunikation
Wahre Gründer lassen ihr Produkt für sich sprechen und pflegen in Selbstbescheidenheit ein Blog (posterous oder tumblr), in dem sie eher die Leistungen anderer zelebrieren denn die eigenen. Ua. da sie wissen und lernen, da sie neugierig sind, da sie (sich) wandeln, kontinuierlich, da sie von der Relevanz von Partnerschaft, Kameradschaft, Ehrlichkeit und Gradlinigkeit und Zuverlässigkeit nicht nur überzeugt sind, sondern auch ein Lied davon singen können an den Lagerfeuern der Welt.
06 - Leben und Ungeschriebene Gesetze
Das Wichtigste im Leben ist die Einhaltung ungeschriebener Gesetze, sie setzen sich aus moralisch-ethischen Wertvorstellungen zusammen und gehen weit über das heutzutage Gelebte hinaus.
Im Grunde kann man die Ungeschriebenen Gesetze zusammenfassen zur einer Business/Life-Ethik à la "Was Du nicht willst, das man Dir tu', das füg' auch keinem andern zu". Das hört sich zwar pathetisch an, umschreibt aber in einfachsten Worten für den einen Kants Kategorischen Imperativ und für den anderen die Regel im Rahmen der Spieltheorie mit den höchsten Aussichten auf langfristigen Erfolg.
Ungeschriebene Gesetze sind intuitiv-evolutionäre Meme voller Wahrheit. Die Menschen merken, wer dagegen verstößt, und ziehen ihre Konsequenzen. Gerade im Geschäftsleben muß der Gründer damit rechnen, daß seine Business-Partner besser informiert sind und Hintergründe klarer sehen als der durchschnittliche Bild-Zeitungsleser dieser Tage.
Manches - und so einfach ist die Welt - gehört sich schlicht nicht und Basta!