"Deutschland hat einer Studie zufolge seinen Platz als weltweit führender Standort der Autoindustrie behauptet. In Sachen Innovationskraft, Produktqualität und Produktivität sei die Bundesrepublik spitze..." beginnt eine Autoindustrie-Selbstbeweihräucherungsstudie erster Güte, von E&Y.
Dieses Ergebnis - und alle anderen! - ist leicht erklärbar: befragt wurden "307 europäische Unternehmen der Automobilindustrie, darunter 79 aus Deutschland. Von den befragten Firmen waren zwölf Prozent Autohersteller und 88 Prozent Zulieferer", ie. 25,73%(!) der Befragten kamen aus Deutschland! Mehr als ein Viertel!
Es handelt sich also weniger um eine Studie, sondern eher um den Versuch, Fakten für die politische Argumentation in Deutschland zu schaffen, im Kleide einer 'Studie'. Oder?
Wenigstens Tagesschau.de kratzt ein wenig an der Studie: "Dass die deutschen Firmen laut der Studie dabei als künftige Marktführer gesehen werden, ist angesichts der bisherigen Entwicklung überraschend. In den USA fährt bereits der Chevrolet Volt auf den Straßen. Auch in Japan werden Elektrofahrzeuge bereits serienmäßig hergestellt. Darin sehen die Manager offenbar keinen Nachteil für Deutschland." (ebd.)
Im Grunde geht es um 3 Bärendienste Themen:
2 Ihnen Subventionen zukommen zu lassen
3 Ihnen möglichst viel Zeit zu verschaffen
zu 1: "Als Schlüssel zum Erfolg sieht Fuß bei der weiteren Entwicklung Marken wie Mercedes Benz, Audi und BMW. "Wer im margenstarken Premiumsegment führt, kann wegweisende Innovationen einführen und sie sich auch bezahlen lassen", sagt Fuß. Anschließend könne die Technik kostengünstig auch in kleineren Fahrzeugen eingesetzt werden."
Das kann nur der Deutsche so sehen. Man könnte auch denken, daß gerade Massenhersteller kleiner Wagen im Vorteile wären, denn sie könnten die Preise sofort - ohne den Umweg über hochpreisige Wagen - aufgrund der Masse niedrig halten! Aber das widerspricht der Situation des Standortes, nicht wahr!?
zu 2: "Deutsche Hersteller und Zulieferer investieren bereits Milliardensummen in die Entwicklung alternativer Antriebe", sagte Peter Fuß, Partner bei Ernst & Young."
Hört, hört. Allerdings 10 Jahre zu spät, oder?
Das Unvermeidliche aber folgt auf dem Fuße: "Allerdings fordert fast die Hälfte der Manager staatliche Unterstützung für die Einführung von Elektroautos."
Na klar. Das ist einfacher als mal selbst in die Hände zu spucken und sich den seit einem Jahrzehnt bekannten Herausforderungen zu stellen.
zu 3: "... erwarten die Unternehmen, dass Elektrofahrzeuge 2022 den Durchbruch auf dem Massenmarkt schaffen."
Hm, während BMW zB bei Rollern darauf stolz ist ...: "Die Motorradsparte entwickelt derzeit einen E-Scooter mit rund 100 Kilometer Reichweite, berichtet Chef Hendrik von Kuenheim. Die Produktion soll in zwei Jahren im Berliner Werk starten" (via), sieht die Realität da draussen so aus:
"2006 wurden in China 18 Millionen Elektroroller hergestellt. Insgesamt sind es schon 40 Millionen Stück. Allein in Shanghai sind 1,3 Millionen zugelassen. Nur dank einiger Zwangsmaßnahmen der chinesischen Regierung hat die technische Entwicklung solche Fortschritte gemacht, dass ... von einem chinesischen Qualitätsprodukt sprechen kann." Via.
A propos Zwangsmaßnahmen der Regierung: "eine Zulassung von Benzinmopeds ist dort seit Jahren nicht mehr möglich." Via.
Der angesprochene Bärendienst ist also offensichtlich: die Industrie kann sich wieder hinlegen, sie wird nicht aktiv, geschweige kreativ oder gar innovativ. Sie verschafft sich Milliarden, verschwendet ihre Zeit mit Lobbyarbeit, statt aus ihren veralteten Denkmustern auszubrechen. Sie verschafft sich Zeit, um nur ja nicht Strukturen ändern zu müssen, Kulturen oder ihre Natur.
Die Industrie versucht, ihr eingestürztes Weltbild gegen jeden Gesunden Menschenverstand in dieses Jahrtausend hinüberzuretten, dazu braucht sie solche 'Studien'.
Die CEOs und Vorstände können sich (gegenseitig) auf die Schultern klopfen und behaupten, wir haben unser Bestes gegeben.
Tatsächlich müßten die CEOs und Vorstände abdanken, und Platz machen für junge Talente, die führen, die vorbildlich vorangehen, die wieder relevante Produkte entwickeln und am Markte anbieten - und kein Spielzeug, um vom eigenen Versagen abzulenken:
The Automobile Innovation Delusion or The Art of Building the No-Go Car.



