10 entries categorized "INTELLECT"

Monday, July 13, 2009

Edward O. Wilson : 'Des Lebens ganze Fülle' oder Was wir vom berühmtesten Ameisenforscher der Welt (und Philosophen) lernen können

Eine gute Autobiographie ist immer mehr als die Lebensgeschichte ihres Autors. Denn als Leser lernt man auch sich selbst besser kennen. Man entwickelt sich zusammen mit dem Autor weiter. Man wird in vermeintlich fremde Welten entführt, die doch nur die eigene Seele sind.
In guten Autobiographien en passant erzähltes Leben ist immer auch un/bewußte Aneinanderreihung Goldener Lebensregeln.

Im Folgenden habe ich die für mich in diesem Sinne zentralen Gedanken extrahiert und zusammengefaßt.
Während Wilson über sich, seine Welt und sein Leben spricht, sollten wir seine Worte in unsere Welt übertragen, in die Welt des Managements, aber auch in die Welt unseres Privatlebens, sie inhalieren und reflektieren!

> So sagt er zB an einer Stelle, daß ihm Wissenschaftler lieber sind, "die sich herausragende Ziele setzen, ihre Nerven gegen Mißerfolge stählen und bereit sind, Schmerz zu erdulden, um ihren Charakter zu prüfen und am Fortschritt von Wissenschaft und Kultur mitzuwirken".
Mir auch, aber wo findet man diese Menschen heute noch?

> "Ed, bleiben Sie nicht auf dem Weg, wenn Sie Insekten sammeln. Die meisten machen es sich zu einfach, wenn sie auf Exkursionen sind. Sie folgen den Pfaden und arbeiten sich nur ein kleines Stück in den Wald vor. Auf diese Weise findet man nur einige Arten. Sie sollten in einer geraden Linie durch den Wald gehen. Versuchen Sie jedes Hindernis zu überwinden. Es ist schwer, aber es ist die beste Methode, Insekten zu sammeln."

rs: Die meisten Menschen folgen lieber den ausgetretenen Pfaden. Dort aber gibt es nichts Neues mehr zu entdecken. Auf den ausgetretenen Pfaden findet man weder Erfolg noch Erfüllung.

> "Das hatte ich hören wollen. Wie man es richtig macht, auf die schwere Art. Worte von einem Meister an den Schüler: Mut, Arbeit, Entschlossenheit, Widrigkeiten in Kauf nehmen und neue Arten finden - Erfolg erwartet den, der durchhält."

rs: Keine Rede von Lohn ohne Leistung, von Instant Gratification oder Berühmtheit nur um der Berühmtheit willen.

> Später zitiert er aus dem Kapitel 'Wie man sein Leben in den Griff bekommt' eines Pfadfinder-Handbuches: "Ein Scout blickt voraus. Er bereitet sich auf Ereignisse vor, bevor sie eintreten. Daher wird er leicht mit ihnen fertig." "Sei nie zufrieden, so wurde man ermahnt. Wer nur wartet und hofft und sich mit dem abfindet, was kommt, wird scheitern." "Nach Hohem streben, sich voll und ganz für ehrenwerte Ziele einsetzen ..."

"Sie werden sich kein nahes, sondern ein fernes Ziel stecken, und sie werden sich mit dem Erreichten niemals zufriedengeben", wurde ihm später als Fellow in Harvard hinter die Ohren geschrieben.

rs: Wie nah dies an der Pfadfinder-Weisheit liegt. Leicht gesagt? Überhaupt nicht! Jeder kann jeden Tag bei sich selbst beginnen. In kleinen, fast unmerklichen Schritten. Sich nicht mehr verbiegen lassen. Aufbegehren, wo es lohnt. Seine Meinung sagen. Und dazu stehen. Andere verteidigen und in Schutz nehmen. Fehler machen und daraus lernen. Fallen und wieder aufstehen. Niemals aufgeben. Sich relevante Ziele setzen. Wie schön wäre das, würde man unseren Managern ähnliches nahelegen.

> Er bekennt sich selbst: "Ich bin neophil - ein Liebhaber des Neuen, der Vielfalt um ihrer selbst willen".

rs: Als Kinder noch waren wir alle 'neophil'. Waren neugierig, wißbegierig, sammelten, observierten, entdeckten.
Heute sind die meisten froh, man läßt sie in Ruhe mit dem Neuen, dem Ungewöhnlichen, Andersartigen, denn dies bedeutet nur noch Komplexität, Aufwand und Ablenkung vom (vermeintlich) Wesentlichen.
Schade, woher sonst soll die Innovation, das innovative Geschäftsmodell, die Abwechslung, der Spaß kommen, wenn nicht aus dem Neuen, dem vormals Unbekannten?

> "Ohne jeden Anflug von Ironie kann ich sagen, daß ich mit brillanten Gegnern gesegnet war. Sie setzten mir hart zu (schließlich waren es Gegner), und doch bin ich ihnen zu großem Dank verpflichtet, denn sie zwangen mich, meine Anstrengungen zu verdoppeln, sie drängten mich in neue Richtungen. Diese Menschen helfen uns dabei, unser schöpferisches Potential zu entfalten."

rs: Wir selbst aber gehen hin und verteufeln unsere 'Gegner', schwächen sie, wollen sie mundtot machen und lächerlich vor den anderen, statt auf sie zuzugehen und von ihnen zu lernen, uns mit ihnen gemeinsam zu entwickeln. Wir sehen sie als Konkurrenz, tatsächlich aber geht es uns allen um das Gleiche. Gemeinsam sind wir stärker, wären wir schneller, sicherlich effektiver, kreativer, innovativer.

> "Wenn ich ganz von vorn beginnen und meine Vision im 21. Jahrhundert noch einmal durchleben könnte, dann würde ich mich auf die Ökologie der Mikroorganismen spezialisieren." "Ein weiteres Mal bliebe ich im Innersten der kleine Junge von Paradise Beach, der beim Betrachten einer Scheibenqualle und beim flüchtigen Anblick eines Ungehauers aus der Tiefe in ehrfurchtsvolles Staunen versetzt wurde."

rs: Statt sich - wie die meisten - zu sagen 'Ich habe alles richtig gemacht, ich würde alles nochmal so machen!', setzt sich Edward O. Wilson, obwohl er das Erreichbare erreichte, neue, weiterführende, herausfordernde Ziele für ein nächstes Leben!

Sich bis zum letzten Tage die kindliche Neugier zu erhalten, ist das Geschenk, das wir uns selbst machen sollten. Es sorgt nicht allein für materiellen, sondern auch ideellen Wohlstand. Es ist die Sprungfeder und Triebkraft unseres Lebens, Schmiere unserer Kraft und Elixier unseres Hirnes.

Tuesday, June 30, 2009

Free: Godin vs. Gladwell vs. Anderson

Wer 'Free', das neue Buch von Chris Anderson ('The Long Tail') kaufen möchte, denn das gibt es nicht 'for free', sollte vielleicht zuerst dies "Malcolm Gladwell: Chris Anderson Is Wrong About 'Free'" in AdAge lesen, um zu entscheiden, ob der Kauf immer noch Sinn macht.

> Der Original-Artikel Gladwells: "Priced to Sell Is free the future?".


UPDATE
> Und nun: Seth Godin versus Malcolm Gladwell: "Malcolm is wrong".
Viel Vergnügen!

Monday, June 22, 2009

TED-Video: Dan Ariely - Predictably Irrational

Während ich noch Dans Buch "Predictably Irrational" lese, hier schon mal ein Vorgeschmack auf ihn mittels eines TED-Videos.



Wer sich über sein Aussehen Gedanken macht, sollte wissen, daß im Alter von 18 Jahren neben ihm eine Magnesium-Fackel (die benutzt werden, um Schlachtfelder des nachts zu erleuchten) explodierte und ihm Verbrennungen Dritten Grades an 70% seines Körpers zufügte.
Drei Jahre verbrachte er im Krankenhaus mit zahllosen Operationen.

Monday, June 08, 2009

Gigerenzer-Interview zur Intuition

Im April hatten wir hier Gerd Gigerenzers Buch "Bauchentscheidungen - Die Intelligenz des Unbewussten und die Macht der Intuition" vorgestellt.

"Im Handelsblatt-Interview spricht Gigerenzer über die Nachteile komplexer analytischer Methoden. Faktenhuberei könne die Sicht vernebeln. Wenn es hart auf hart kommt, sollten sich Fachleute auf ihre Intuition verlassen.".

Es lohnt sich, in den Artikel hineinzulesen und auch das Buch zu inhalieren. Gigerenzer ist kein 'spinnerter Sozialwissenschaftler', sondern leitet seit "zwölf Jahren ... den Forschungsbereich Adaptives Verhalten und Kognition am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin", wie das Handelsblatt schreibt.


> Wer mehr über Intuition erfahren möchte, kommt an zwei Büchern nicht vorbei: Für mich bewegt sich 'Bauchentscheidungen' zwischen "Bas Kast : Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft - Die Kraft der Intuition" und "Gerald Traufetter : Intuition - Die Weisheit der Gefühle".

> 48 weitere Book Reviews gibt es in der inspiration/leader Rubrik "Reviews".
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Friday, May 29, 2009

Das Netz muß verstanden sein

Das Internet ist die Zukunft. Ohne es - und auch mit seiner Zensur - fallen wir zurück in Zeiten, die die wenigsten (eben all jene, die das Netz immer noch nicht in Ansätzen durchdringen und in ihm das sehen, was der Bauer nicht frißt) sich zurückwünschen.

Deshalb zwei Artikel aus der Zeit zur Reflexion: Pro ("Geistesaristokratie") und Contra ("Das Netz als Feind") sozusagen (bitte in umgekehrter Reihenfolge lesen).

Man genehmige sich eine eigene Meinung.

Saturday, May 16, 2009

Nassim Nicholas Taleb : The Black Swan

According to Taleb us humans focus on what we know and on mere specifics, therefore we cannot predict anything - may it be opportunities or catastrophies. "What is surprising is not the magnitude of our forecast errors, but our absence of awareness of it", Taleb says.
He calls for an understanding on how to act under conditions of incomplete information as the highest and most urgent human pursuit - in private life and in business, I must add.


> Black Swans

'Black Swans' are events with high improbability. The Black Swan has 3 attributes: unpredictability, severe consequences, retrospective explainability.
9/11 was a Black Swan, the invention of the wheel was, Google's overwhelming success is one, and the present financial crisis.
We haven't seen it all coming, it has severe consequences, and afterwards - of course - we knew from the beginning.

> Blindness to Black Swans

1 - We focus on preselected segments of the seen and generalize from it to the unseen.
2 - We fool ourselves with stories that cater to out platonic thirst for distinct patterns.
3 - We behave as if the Black Swan does not exist: human nature is not programmed for Black Swans.
4 - What we see is not necessarily all that is there.
5 - We focus on a few well defined sources of uncertainty.

> We cannot predict (the Future)

"We tend to 'tunnel' while looking into the future, making it business as usual, Black Swan-free, when in fact there is nothing usual about the future. ... I find it scandalous that in spite of the empirical record we continue to project into the future as if we were good at it, using tools and methods that exclude rare events."

"The problem lies in the structure of our minds: we don't learn rules, just facts, and only facts. Metarules (such as the rule that we have a tendency to not learn rules) we don't seem to be good at getting."

"Our intuitions are made for an environment with simpler causes and effects and slowly moving information.
We lack imagination and suppress it in others."

"Additional knowledge of the minutiae of daily business can be useless, even actually toxic. ... see more random noise and mistake it for information."
"We can learn a lot from data - but not as much as we expect."

"At JFK you can find gigantic newsstands with walls full of magazines. ... These walls present you with the entire corpus of what an 'informed person' needs in order to know 'what's going on'.
I wonder how long it would take to read every single one of these magazines, excluding the fishing and motorcycling periodicals (but including the gossip magazines - you might as well have som fun). Half a lifetime? An entire lifetime?
Sadly, all this knowledge would not help the reader to forecast what is to happen tomorrow. Actually, it might decrease his ability to forecast." ...
"Many people who think they can predict actually can't."

> We cannot change our minds

"Belief preseverance: The tendency not to reverse opinions you already have." ... "By a mental mechanism I call naive empiricism, we have a natural tendency to look for instances that confirm our story and our vision of the world - these instances are always easy to find. Alas, with tools, and fools, anything can be easy to find." ... "Risk Manager: A Person who uses Models of the Past!"

> Running in the wrong direction

"It has been more profitable for us to bind together in the wrong direction than to be alone in the right one. Those who have followed the assertive idiot rather than the introspective wise person have passed us some of their genes. This is apparent from a social pathology: psychopaths rally followers."

> Today Inconsistency rules

"So if people make inconsistent choices and decisions, the central core of economic optimization fails. You can no longer produce a 'general theory', and without one you cannot predict. You have to learn to live without a general theory, for Pluto's sake!"
"Randomness is incomplete information. Randomness is unknowledge."

> Why on earth do we plan?

"Planning may come with the package of what makes us human, namely our consciousness ... the ability to project effectively frees from immediate, first-order natural selection ... In a way, projecting allows us to cheat evolution: it now takes place in our head, as a series of projections and counterfactual scenarios."

> What can we do?

We all should keep in mind the above, when meeting risk managers or foresight managers, or encounter fantastic prediction tools, be very cautious and alert and sceptic.

"Don't ask the barber if you need a haircut! ...
Before we knew about bacteria, and their role in diseases, doctors rejected the practice of hand washing because it made no sense to them, despite the evidence of a meaningful decrease in hospital deaths."

"The strategy for the discoverers and entrepreneurs is to rely less on top-down planning and focus on maximum tinkering and recognizing opportunities when they present themselves." ... "Indeed the normal is often irrelevant."

"The way to avoid the ills of the narrative fallacy is to favor experimentation over storytelling, experience over history and clinical knowledge over theory. Being empirical does not mean running a lab in one's basement: it is just a mind-set that favors a certain class of knowledge over others."


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Wednesday, April 22, 2009

Gerd Gigerenzer : Bauchentscheidungen

Bei 'Bauchentscheidungen' geht es Gigerenzer darum, darzulegen, ob wir unserer Intuition trauen und ihr dann auch folgen können. Um die Antwort vorwegzunehmen: wir können.

Ebenso wichtig wie diese klare Antwort sind die Erkenntnisse auf dem Wege dorthin. Nicht zuletzt dadurch ist 'Bauchentscheidungen' ein lesenswertes Buch.

Intuition

"Ich verwende die Begriffe Bauchgefühl, Intuition oder Ahnung austauschbar, um ein Urteil zu bezeichnen,
1 - das rasch im Bewußtsein auftaucht,
2 - dessen tiefere Gründe uns nicht ganz bewußt sind und
3 - das stark genug ist, danach zu handeln", schreibt Gigerenzer.

"Die Intelligenz des Unbewußten liegt darin, daß es, ohne zu denken, weiß, welche Regel in welcher Situation vermutlich funktioniert."

Intuition und Information

"Bauchgefühle beruhen auf überraschend wenig Information. Daher erscheinen sie dem Über-Ich so wenig vertrauenswürdig, welches das Credo, demzufolge mehr immer besser ist, verinnerlicht hat.
Doch Experimente haben erstaunlicherweise gezeigt, daß weniger Zeit und weniger Information zu besseren Entscheidungen führen können."
Und: "Psychologen haben eingehend untersucht, wie das Vergessen intuitive Urteile verbessern kann."

Intuition und Logik

"Häufig erweist sich das, was vom rein logischen Standpunkt wie ein Denkfehler aussieht, in der wirklichen Welt als intelligentes soziales Urteil.
Gute Intuitionen müssen über die vorliegende Information und damit auch über die Logik hinausgehen."

Intuition und Marketing

Das Marketing zB nutzt unsere Intuition, immer das Bekanntere für das Bessere zu halten, indem es versucht, seine Produkte in unseren Köpfen zu verankern. Selbst wenn am Ende nur der Name bleibt, ist im Sinne des Marketing viel gewonnen: der erste Platz im Kopfe des Konsumenten.

Intuition und Moral

Auch moralische Intuition ist uns nicht immer bewußt, sondern tief in unserem Unterbewußtsein verankert. Diese Intuition ist immer mit 'Wurzeln' unsererselbst, nämlich Individuum oder Familie oder Gemeinschaft, verknüpft und von der sozialen Umwelt (und ihrem Druck) abhängig und beeinflußt.

In vielen Situationen kann wider besseres Wissen das Gemeinschaftsgefühl der ausschlaggebende Grund für eine moralisch katastrophale Handlung sein.

Intuition und Nachahmung

Für Gigerenzer gibt es zwei Formen der Nachahmung:
1 - Tue das, was die Mehrheit Deiner Bezugsgruppe tut.
2 - Tue das, was der (oder die) Erfolgreiche tut.

Aber: "Wie erwähnt kann Nachahmung dem individuellen Lernen unterlegen sein, wenn sich die Welt rasch verändert."


Bei allem Positiven der Intuition, müssen wir meines Erachtens nach immer bedenken, daß auch Intuition erlernt werden muß. Intuition ist eine Kraft der eigenen Erfahrung und der eigenen, früheren Urteile - und natürlich ihrer jeweiligen Überprüfung und Wertung -, denn anders kann unsere Intuition sich nicht entwickeln und für uns immer wertvoller, da immer zutreffender werden.

Vertrauen wir ihr, hinterfragen wir sie aber auch, damit wir uns - und sie - ständig vervollkommnen.


> Wer mehr über Intuition erfahren möchte, kommt an zwei Büchern nicht vorbei: Für mich bewegt sich 'Bauchentscheidungen' zwischen "Bas Kast : Wie der Bauch dem Kopf beim Denken hilft - Die Kraft der Intuition" und "Gerald Traufetter : Intuition - Die Weisheit der Gefühle".

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Thursday, August 14, 2008

Gute Nacht, mein Management!

Drei Toplines aus Artikeln der letzten Zeit - 1 - 'Topstudenten sind meinungsschwach und mutlos', 2 - 'Unternehmenslenker müssen ihren Stil überdenken', 3 - 'Intelligenz spielt für die eigene Karriere eine untergeordnete Rolle' - machen nachdenklich. Von Ralf Schwartz.


Die drei besagten Artikel aus spiegelonline, zeitonline und manager-magazin.de aus dem Juli bzw. August haben folgende Kernbotschaften:

1 - Thomas Kerstan von der Zeit beschreibt zwei Beobachtungen (an Kandidaten für Elite-Universitäten) in seinem Artikel "Zahnlose Elite":

"Fragt man erstens einen Kandidaten, der soeben sauber das Für und Wider, sagen wir, der Wehrpflicht dargelegt hat, nach seiner Meinung dazu, dann gerät er ins Schwimmen. Man könne das so entscheiden oder auch so. Und wie würden Sie entscheiden? Mmh, das ist schwierig… Zu viele dieser Nachwuchsakademiker haben zwar Ahnung, aber keine Meinung."

"Zweitens wirken viele von ihnen überdressiert in puncto Sozialkompetenz. Keiner redet dazwischen, noch der größte Schwachsinn wird mit interessierter Miene hingenommen; aus Angst, einen Fehler zu machen, hält man sich lieber zurück. Frei nach dem Motto: Tu mir nichts, ich tu dir auch nichts."
Quelle: zeitonline, "Zahnlose Elite"


2 - "Ehrgeiz schlägt Intelligenz" - Ergebnisse einer Befragung unter 1000 Führungskräften, die sich noch im Karriereprozess befinden (was bedeutet, daß sie noch keine Topmanager sind) auf manager-magazin.de:

"Die Kriterien Ehrgeiz beziehungsweise gute Netzwerke erhielten jeweils eine Gesamtnote von 1,58. Als Erfolgsfaktor Nummer drei folgt, über ein klares Wertegerüst zu verfügen (1,79)."

"Hohe Sozialkompetenz" kommt mit der Bewertung 1,83 erst an vierter Stelle. "Am hinteren Ende der Skala befinden sich die Kriterien soziale Herkunft (2,33), stabile Ehe/Partnerschaft (2,35) sowie herausragende Intelligenz (2,5)."
Quelle: manager-magazin.de, "Ehrgeiz schlägt Intelligenz"


3 - Burkhard Schwenker, Chef der Unternehmensberatung Roland Berger sagt im spiegelonline-Interview:

"Ein guter europäischer Manager folgt eher langfristigeren Zielen, ist unternehmerischer, weniger finanzorientiert. Er ist stärker in seinem sozialen Umfeld verankert und diskutiert Veränderungen im Unternehmen intensiver mit den Angestellten. Der Umgang mit anderen Kulturen fällt ihm oft leichter."

"Aber auch deutsche Unternehmenslenker müssen ihren Stil überdenken. Je unsicherer die Zeiten sind, desto mehr wird Führen eine persönliche Angelegenheit. Menschen brauchen ein gewisses Maß an Sicherheit, um erfolgreich zu arbeiten. Und diese Sicherheit lässt sich nur durch persönliche Werte, wie Verlässlichkeit, Integrität und wenn man sich um die Menschen sorgt, vermitteln."
Quelle: spiegelonline, "Manager müssen ihren Stil überdenken"


In der Tat sollte der ein oder andere Manager - aber auch Student - seine Kompetenzen überdenken und aktualisieren (um es zurückhaltend zu formulieren).

Aus unseren Managern wurden Sozialkrüppel, die entweder cholerisch werden, wenn sie auf Widerstände stoßen, und sich überhaupt nicht mehr im Griff haben, oder die duckmäusern und opportunistisch jeden noch so dem gesunden Menschenverstand widersprechenden Blödsinn mitmachen, weil für sie das Network das wichtigste ist und man dieses nicht mit einer eigenen Meinung leichtfertig aufs Spiel setzen darf.

Von unseren Professoren müßten unsere Studenten lernen, daß man mit Authentizität und einer eigenen, profunden Meinung mittel- und langfristig weiter kommt als mit einer vordergründigen und kurzfristig erfolgversprechenden Jasager-Mentalität.

Leider sind unsere Professoren selbst weit davon entfernt, herausragende Persönlichkeiten und respektierte Vorbilder zu sein, die sich mit Leistung, eigen-sinnigem (im besten Sinne) Denken und klarem Handeln ihre Position verdient haben.


Ehrgeiz ist gut und wurde in Deutschland viel zu lange als negativ eingeschätzt - aber Ehrgeiz in Verbindung mit den falschen Zielen kann schnell in die Katastrophe führen.
Dies kann im Grunde nur eine ausgeprägte Sozialkompetenz oder eine herausragende Intelligenz verhindern! Beides liegt den heutigen Studenten, wie den heutigen Managern, nicht wirklich nahe.


Es ist nicht verwunderlich, daß die beiden Gruppen diese Eigenschaften so niedrig einstufen, bekommen sie doch nur Ehrgeiz und Networking im täglichen Business vorgelebt, nicht aber Sozialkompetenz und Intelligenz.

Man schaue zur Telekom, wo der Ehrgeiz alleine nicht ausreicht, ein Unternehmen erfolgreich zu machen, wenn die Kompetenzen und Fähigkeiten fehlen.
Auch das Networking mit Freunden hilft nicht, denn die Vision fehlt weiterhin - auch wenn Rene und Tonio jetzt viel Spaß zusammen haben.

Man schaue zur Post, zum alten DaimlerChrysler, zu Infineon, zu Siemens, zu Lufthansa und Bsirske, wo überall das Networking und der Ehrgeiz großgeschrieben wurden, allein die Integrität, die Verläßlichkeit, die persönliche positive Vision fehlten - und aufgrund fehlender Intelligenz und fehlender sozialer Kompetenz auch nicht wirklich vermißt wurden.


Was kann man tun?

Es hört sich vielleicht immer wieder naiv an, aber im Grunde gibt es nur eine Regel, die alle Werte, notwendigen Eigenschaften und Verhaltensregeln in sich trägt: Behandle andere so, wie Du selbst behandelt werden möchtest! Sei es Mensch, Marke oder Unternehmen.

Einfach? Dann los! Vormachen!
Man glaubt gar nicht, wie schwierig das in der aktuellen Realität wirklich ist.

Zur inspirierenden Leadership-Persönlichkeit, das ist klar, gehört dann schon ein wenig mehr - vor allem der Wille, etwas zu ändern, und bei sich selbst zu beginnen.


(Mehr über die inspirierende Leadership-Persönlichkeit kann man bei romeo sierra consulting nachlesen.)

Thursday, February 14, 2008

IAN AYRES : SUPER CRUNCHERS - WHY THINKING-BY-NUMBERS IS THE NEW WAY TO BE SMART

After having read some books (and having written some comments) on intuition, it is about time to talk about number crunching's advantages.
And Ian manages to do right that very convincingly by making his point and supporting it with great examples.


"We may have free will, but data mining can let business emulate a kind of aggregate omniscience. Indeed, because of Super Crunching firms sometimes may be able to make more accurate predictions about how you'll behave than you could ever make yourself."

"Smart businesses know that regression equations can help them make better predictions."


"Traditional experts make better decisions when they are provided with the results of statistical prediction. Those who cling to the authority of traditional experts tend to embrace the idea of combining the two forms of 'knowledge' by giving the experts 'statistical support'."

"In several studies the most accurate way to exploit traditional expertise is to merely add the expert evaluation as an additional factor in the statistical algorythm."

It's devilishly hard for traditional, non-empirical evaluators to even consider the possibility that quantified predictions might do a better job than they can do on their own home turf."


"The most important thing that is left to humans is to use our minds and intuition to guess at what variables should and should not be included in statistical analysis."

"Humans, however, are crucially needed to generate the hypothesis about what causes what."


"The future belongs to the Super Cruncher who can work back and forth and back again between his intuitions and numbers."

"In the end, Super Crunching is not a substitute for intuition, but a compliment."

"The future belongs to those who can comfortably inhabit both worlds. Our intuitions, our experiences, and, yes statistics, should work together to produce better choices."


One should inhale every sentence and balance his or her decision building process anew - based on the combined insights of Ian's book and the books about intuition we reviewed before.

Sunday, September 09, 2007

"die neuen manager setzen auf kopieren statt auf kapieren!"

ein sehr interessantes interview mit obigem titel findet sich in der wirtschaftswoche vom 10.09.2007. der psychologe und mitgründer von rheingold, stephan grünewald, spricht über die manager-generation der 40-jährigen.

leider, ja, leider, muß ich ihm in allen punkten recht geben.

während der interviewende journalist noch versucht, die manager positiv darzustellen, beschreibt stephan grünewald die realität in den management-etagen da draussen in unserem lande. trostlos.

aber das wissen wir ja. niemand riskiert mehr was, sondern läuft nur altbekannten trends hinterher, denn die sind sicher, niemand ist mehr engagiert, denn er macht sowieso nicht den job, der ihn ausfüllen würde, niemand hat zeit, sich selbst oder seinen job infragezustellen, niemand ist sich über seine schwächen klar, sondern jeder versteckt sie nur (unzureichend), niemand identifiziert sich noch mit seinem unternehmen, niemand hat eine vision vor augen, sondern jeder nur den nächsten karriere-schritt, alle sind austauschbar geworden, weil alle das gleiche studieren, lesen, reden, sehen ...


man muß sich halt die zeit nehmen, um an sich zu arbeiten, um erfolgreich zu werden, in leben und management. das lernt man nicht an der uni, und nicht im job. das kann einem nur das leben beibringen, das man nicht lebt, weil man auf die falschen leute gehört hat, sich die falschen ideale zu eigen gemacht hat und nur den symbolen des status hinterherläuft, statt sich selbst einen status aufgrund seiner leistung und seiner individualität zu erarbeiten.

das ist nicht der weg des geringsten widerstandes, deshalb wird er auch so selten beschritten, aber es ist der erfüllendste, befriedigendste und am nachhaltigsten erfolgreiche weg.

er fordert den ganzen mann und die ganze frau.
er ist der goldstandard.


also, die aktuelle wirtschaftswoche (no.37) besorgen, das interview lesen (der städtetest gehört eher in den 'focus', siehe auch "wie gut ist meine stadt?" bei mediaclinique.de) und dann auf romeo sierra consulting // challenge & coach nachlesen, wie der neue weg gegangen werden kann. bis dahin.

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mind-box magazine aktueller denn je



  • Wie kann ein zweifach Lead Award gekröntes Magazin, das Mitte 2008 im 5. Jahre eingestellt wurde, heute 'aktueller denn je' sein?

    > Dazu muß man nur die 140- Zeichen(!)-Synopsis jeder einzelnen der 50 Ausgaben inhalieren! Enjoy!