Sonntag findet der Krisen-Gipfel mit Deutschlands Wirtschafts- und Politik-Elite statt, welche Grund und daher nicht Lösung der Krise ist. Warum der Gipfel schon jetzt gescheitert ist. Von Ralf Schwartz.
"Beherztes Handeln" hat die Kanzlerin noch vor wenigen Tagen als herausragende Eigenschaft des 90-jährigen Geburtstagskindes Helmut Schmidt gelobt. Sie selbst aber - statt 'beherzt zu Handeln' - schwingt sich von Gipfel zu Gipfel (Klima, Energie, EU, Auto, Datenschutz, Integration, Krise, IT, etc.), ohne handgreifliche Ergebnisse, ohne Konsequenzen.
So vergehen schnell 3 Jahre, in denen sich die mächtigste Frau der Welt (laut Time Magazine) eher ohnmächtig und visionslos auf die Zuschauertribüne zurückzieht, obwohl sie beim Einzug ins Stadion noch mit den anderen herumkrakeelt hat.
Wie wäre der Gipfel - und alle anderen - zu retten? Was könnte die Politik bzw. Angela Merkel bessermachen in Bezug auf dieses momentan eher ausschließlich medien-relevante Treffen?
1 - Weniger Teilnehmer
25 Teilnehmer - und man spricht davon, daß noch mehr erwartet werden - sind einfach zuviel für ein Meeting, das relevante Ergebnisse in kurzer Zeit produzieren soll. Im Grunde weiß das auch jeder. Schade, daß sich trotzdem niemand daran hält.
Grund für die hohe Zahl ist, daß man schlicht nicht weiß, wer die wenigen richtigen Leute wären und man politische und wirtschaftliche Freunde und Feinde (also 'Gaffer' und 'Zaungäste') eben auch einladen muß.
Tatsächlich müßten 5 Teilnehmer reichen. Im Zweifel muß Angela Merkel gar nicht teilnehmen, denn sie kann nichts beisteuern. Das ist ihr nicht vorzuwerfen, sondern liegt in der Natur der Sache (siehe auch 3 - Die richtigen Teilnehmer).
2 - Das richtige Ziel
Wie viele Krisentreffen soll es noch geben, wenn das erste schon dafür draufgeht, ein "gemeinsames Verständnis" zu erreichen? Wenn jetzt noch nicht alle Eliten das gleiche Verständnis haben, haben wir ein Problem innerhalb der Eliten.
Ziel sollte sein, Strategien und Maßnahmen gegen die Krise zu verabschieden, zu vereinbaren, was man tun kann, tun will und tun wird.
Die Politiker müßten erklären, daß es endlich weniger um die Wahl und die Sicherung eigener Pfründe geht als um die Rettung der Welt. Ebenso die Wirtschafts-Elite. Und entsprechend müßten beide handeln und Vorschläge einbringen.
A propos einbringen: man kann nicht erst dort beginnen, Vorschläge zu erarbeiten!
Gut vorbereitete Meetings lassen den Teilnehmern eine Situationsbeschreibung vorab zukommen, damit alle ein gemeinsames Verständnis bereits zu Anfang des Meetings haben und nicht erst an dessen Ende.
Zusätzlich müssen auf dieser Basis - im Vorfeld - schon geeignete Lösungs-Vorschläge erarbeitet werden und - im Vorfeld - zwischen den Teilnehmern distribuiert werden.
Damit kann man nicht nur zum Status, sondern auch zu den Lösungen schon ein gemeinsames Verständnis entwickeln und im Meeting selbst sich auf das Wesentliche konzentrieren.
3 - Die richtigen Teilnehmer
Nicht die üblichen Verdächtigen: Interessanterweise kommen genau die, die diese Krise erst verschuldeten! Was macht das für einen Sinn? Von ihnen kann man nur lernen, wie man es nicht macht. Wer aber wird sich in solch einem Kreise selbst infragestellen? Also haben alle alles richtig gemacht und entsprechend werden Lösungen erarbeitet, die natürlich keine sein können!
Nicht betriebsblinde Ausschnittseher: Wir brauchen keine Vertreter von einzelnen Branchen, Verbänden, Lobbyisten-Gruppen. Wir brauchen Menschen, die ein ganzheitliches Bild haben, die Zusammenhänge darstellen können, weil sie vorher übergreifend die Muster des Problems erkannt haben. Menschen, die in präzisen, kurzen Sätzen die Problematik in Worte fassen können.
Nicht Deutschland-fixierte Perspektiven: Die aktuellen Probleme sind nicht mit der nationalen, schon gar nicht mit unserer deutschen Brille zu lösen. Was nutzt es also, wenn nur deutsche Eliten dort zusammenkommen? Die internationale Sicht ist weitaus wichtiger und muß auch in einer möglichen Lösung sehr hoch gewichtet werden!
4 - Das richtige Signal
Niedriger kann man ein Ziel für ein Treffen nicht aufhängen, als es als die Erlangung eines gemeinsamen Verständnisses zu definieren.
Von daher kann der Gipfel natürlich ohne Probleme als Riesenerfolg verkauft werden, wenn spät am Abend zu den Nachrichten Deutschlands Wirtschafts-Elite sich von Deutschlands Politik-Elite verabschiedet mit den Worten, daß die zum Gipfel gesteckten Ziele voll und ganz erreicht wurden und alle sehr zufrieden sind.
Nur, geholfen ist damit keinem und man hat einen ganzen Monat Arbeitskraft der deutschen Elite verschwendet (1 Sonntag x 25 Teilnehmer), Unmengen an CO2 in die Luft gepustet, Steuerzahlers Geld in der Flugbereitschaft geopfert, um einen netten Auftritt in der Tagesschau zu generieren.
Das richtige Signal wären veröffentlichte Lösungen, wären Strategien, wären nicht '10-Punkte Programme' und 'Man müßte's, wären Maßnahmen mit Verantwortlichen, mit Timings und Benchmarks zur Erfolgsmessung.
Fazit
Was soll ein Obermann, ein Reitzle, ein Ackermann dort? Was soll ein Steinmeier, ein Steinbrück, ein Glos, ein Scholz dort? Sie haben nichtmal ihre eigenen Branchen und Bereiche zufriedenstellend im Griff.
Politik und Wirtschaft haben bisher versagt, warum sollte dieser Krisengipfel mehr werden als der Gipfel der Krise? Er ist ja nichtmal richtig vorbereitet.
Laßt den Gipfel ausfallen, geht mit Euren Kindern in den Park oder Kaffee trinken. Laßt einige Wirtschaftswissenschaftler vom Sachverständigenrat, etc. in Ruhe ein paar Strategien erarbeiten und redet ihnen nicht rein.
Weise und unternehmerische Führungspersönlichkeiten müssen diese Krise jetzt meistern, Manager und Politiker haben uns schon in sie hineingeritten.
Disclaimer:
Je länger ich das hier schreibe, desto stärker erscheint es mir als Satire, denn wie will man unseren Politikern und Top-Managern klarmachen, wie eigentlich gedacht, geplant, gearbeitet und geführt werden muß?
Wie soll man ihnen klarmachen, daß sich etwas ändern muß? Daß sie sich ändern müssen?
Wie sollen sie einsehen, daß sie das Problem sind und deshalb nicht die Lösung sein können?
Nun, dies wäre die hervorragende Aufgabe von Angela Merkel, den Männern um sie herum klarzumachen, daß sie nicht die Lösung sein können und welche Konsequenzen das nun haben wird.