Führung ist vor allem eines sein und können: vorausschauend, Denkstrukturen aufbrechend, Horizonte erweiternd, eine Vision kommunizierend, neue Wege beschreitend, ein relevantes Ziel ansteuernd, eine effektive Strategie (zur Zielerreichung) verfolgend, vorbildlich vorangehend.
Ein Fortschrittsprogramm muß eine eigene Handschrift haben, eigene (nicht nur neue), authentische Wege gehen und überzeugende Lösungen bieten. Gerade in der politischen Führung brauchen wir nicht noch mehr vom ewig Gleichen.
Die Vision der Führung - auch der Partei-Führung - muß größer sein als sie selbst, erhabener als der Einzelne. Eine Vision, muß alle Menschen einen, nicht neue Kluften aufreißen. Muß vor allem die Visionen jedes Einzelnen zu einer allumfassenden, gesellschaftlichen Vision vollenden.
Ein Fortschrittsprogramm, das den Namen Vision verdient, muß an den Ursachen der Malaise ansetzen. Es kann nicht an den Symptomen herumdoktorn. Eine (Partei-)Führung kann nicht davon leben, allein auf die eigene Konkurrenz zu reagieren, oder gar nur deren Handlungen zu konterkarieren. Eine Führung kann nicht erfolgreich sein, wenn sie nur auf die kurzfristig-egoistisch-materiellen Bedürfnisse des Empfängers schielt.
Das Versagen des SPD-Zukunftsprogrammes
Auf knapp 40(!) Seiten ihres 43-seitigen Zukunftsprogrammes [pdf] arbeitet sich die SPD-Führung an Symptomen ab, gliedert sie in 5 Punkte, beschreibt, umschreibt, unterschreibt. Symptome, keine Ursachen:
01 - Wirtschaft, Arbeit, Beschäftigung
02 - Gerechtigkeit
03 - Gute Arbeit, guter Lohn
04 - Nachhaltigkeit
05 - Europa und Globale Gerechtigkeit
Man dreht zurück, verteilt neu, finanziert über den Steuerzahler, spricht zweimal(!) über Arbeit - aber nirgendwo spricht man über sich selbst, die eigenen Fehler, Unzulänglichkeiten ...
Das Versagen der SPD-Führung
... um auf den letzten 2(!) Seiten zum einzig wahren Problem dieses Landes zu kommen: dem Versagen der Demokratie im Allgemeinen und der Politik im Besonderen. Oder anders gesagt: zum Versagen der Führung.
Vorbildlich, richtig und glaubhaft wäre gewesen, mit dem Versagen der Demokratie zu beginnen, dem Versagen der Politik (das Versagen der Demokratie ist kein Versagen des Bürgers).
Alle obigen 5 Symptome sind dem Versagen der politischen Klasse geschuldet, die die distinktive, relevante, engagierte Führung längst an graue Eminenzen, eigene Hinterzimmer, Bankette, Reflexe und Medien abgegeben hat.
Wahre Führung übernimmt Verantwortung. Für das eigene Denken und Handeln, die eigenen Fehler der Vergangenheit und die Unzulänglichkeiten der Zukunftsfähigkeit.
Wahre Führung ist weitblickend, Muster erkennend, den Wald vor lauter Bäumen sehend, Ursachen erkennend und unerschrocken benennend.
Wahre Führung identifiziert effektive (wenn auch manchmal unpopuläre) Lösungen argumentiert, diskutiert und realisiert sie im Konsens mit einer kritischen, aufgeweckten, motivierten Bürgergesellschaft.
Wahre Führung unterscheidet Symptome von Ursachen und macht den Menschen nichts vor. Wahre Führung ist mutig. Weiß, was richtig ist und handelt entsprechend. Und nocheinmal: Wahre Führung geht beispielhaft voran - und inspiriert die Menschen, ihr engagiert zu folgen!
Ehe die sogenannte Politische Führungselite (aller Parteien übrigens) das nicht begreift, wird sich in diesem, unserem Lande nichts zum Besseren wenden. Am Herumdoktorn an Symptomen werden wir nicht gesunden, im Gegenteil.
(vom Fehlen einer Erwähnung des Web in ihrem sog. 'Zukunftsprogramm' möchte ich lieber schweigen, da kann sich mit Nico ein eingefleischter SPDler besser drüber aufregen)
Addendum
11. Januar
06:36 Uhr > Fortschrittspapier der SPD: Die Theorie der Sozialdemokraten, süddeutsche.
13. Januar
06:10 > Bring den Müll weg, Gabriel, Stephan Hebel. Ein echter Fortschritt, sprengsatz.
17. Januar
04:47 Uhr > Das Symptom-Denken scheint weiter verbreitet als man denkt: "@umairh: We're treating the symptoms, not healing the malady. Result? Economic, political, and social limbo. It's time to reinvent--not just react".